Ein kleiner Bericht über eine negative Erfahrung, die mich überraschte, aus der ich jedoch auch schnell lernen konnte. Dankbar merke ich, was ich mittlerweile drauf habe und wer/was da ist, um mich zu unterstützen.
Wenn das eine zum anderen kommt
Am Morgen hatte ich ein Shooting mit einer Dame, die ich unfreundlich fand. Ich habe mich dort unwohl gefühlt und bin nach 30 Minuten wieder gegangen. Danach war ich traurig und etwas aufgewühlt. Es wäre schön gewesen, wenn es eine angenehme und positive Erfahrung gewesen wäre. Aber gut.
Anschließend sind mein Freund und ich auf den Bazar des Roten Kreuzes gegangen. Zum Glück – oder leider – habe ich an meine Loop-Ohrstöpsel gedacht und sie mitgenommen (leider, weil ich ohne sie wohl viel schneller umgekehrt wäre). Wir haben eine Runde gedreht, es war auch schön, weil ich den Eindruck hatte, dass die Leute dort freundlich waren und es viel zu sehen gab. Und dass alles ehrenamtlich und gespendet ist, hat dem Ganzen eine besondere Atmosphäre verliehen!
Allerdings waren unglaublich viele Leute da, und zusätzlich haben wir den Moment erwischt, als eine bekannte Persönlichkeit, Politiker:innen, Polizei, Militär, Fotograf:innen und Journalist:innen da waren. So dass es plötzlich an der Stelle, wo wir standen, sehr eng wurde, und ich wusste nicht, wie ich da wieder herauskommen sollte. Die Dame am Stand war freundlich und half, einen Weg durch die Menschenmassen zu finden. Eigentlich wollte ich ein Geschenk dort kaufen, aber ich konnte in dem Moment nicht mehr klar denken und auch keine vernünftige Entscheidung mehr treffen.
Ich musste weg, weil ich einfach merkte, wie extrem gereizt und genervt ich war. Mein Freund hat das gut verstanden und sehr schnell mit „Ok, wir gehen.“ reagiert. Natürlich hätte er auch noch bleiben können, hätte er das gewollt. Draußen habe ich noch ein paar Mal geflucht „Das war das Letzte“. Und in dem Moment war ich auch fest davon überzeugt, es sei das letzte Mal, dass ich auf diesen Bazar gehen würde.
Grenzen erweitern, Grenzen respektieren
Manchmal probiere ich neue Situationen aus und merke dann, dass ich das nicht schaffe. Auch wenn ich meine Komfortzone erweitert und mehr Kompetenzen erworben habe, um mit intensiven Emotionen, sozialen Interaktionen und sensorischen Reizen umzugehen, bleiben manche Grenzen. Mein Nervensystem ändert sich nicht im Sinne von weniger Sensibilität oder weniger Autismus. Das frustriert und fasziniert mich manchmal.
Nach einer Weile konnte ich zuhause wieder entspannter aufatmen und lachen. Es war einfach Pech. Ein paar Elemente waren zusammengekommen, die ich nicht vorhergesehen hatte und mein Nervensystem intensiver taxiert hatten, als gedacht. Als ich sie einzeln bemerkte, habe ich nicht alarmiert darauf reagiert. Und dabei nicht bemerkt, dass sie sich häufen.
Auf Ressourcen und Strategien zurückgreifen
Ich möchte neue Situationen nicht unbedingt vermeiden. Allerdings wurde mir hier noch mal sehr bewusst, wie wichtig einige Hinweise meiner Psychologin sind: Hab ein paar Fluchtpläne im Kopf. Sei im Allgemeinen vorbereitet. Wenn etwas schief geht, wie kannst du dich schnell, möglichst ohne Schaden und sicher woandershin bringen. Kümmere dich danach gut um dich, damit Enttäuschung, Scham, Traurigkeit und Angst nicht überhand nehmen.
Manchmal hilft auch Humor. Ich merke, wie ich jetzt über die Geschichte hier lächeln kann. Es ist noch gut gegangen. Auch wenn ich noch etwas erschöpft bin und noch etwas langsam im Verarbeiten von Informationen.
Folgendes hilft im Erleben oder Verarbeiten von schwierigen Situationen:
- Eine Begleitperson, die mich kennt und ganz spontan und entgegenkommend reagiert.
- Eine hilfreiche und mitfühlende außenstehende Person.
- Hilfsmaterial.
- Ein einfacher und schneller Fluchtweg.
- Nachher Zeit, mich zu erholen.
Nächstes Jahr ein neuer Versuch
Ja, wenn ich das nun so betrachte, dann denke ich, dass ich mich nächstes Jahr wieder auf den Bazar trauen werde. Weil er wirklich schön aussah und die Leute dort sehr freundlich waren. Vielleicht kann ich dann, sollten sich unsere Wege wieder kreuzen, auch der Persönlichkeit freundlich zulächeln und gefasst mein Geschenk kaufen. Statt wegzulaufen.